Sobald die Sätze etwas länger werden, nie gehörte Vokabeln die Ohren kitzeln, oder sich die Blicke des Gegenüber etwas verfinstern, sind die Chancen gestiegen wieder einmal nichts verstanden zu haben.Man möge mir doch endlich einen neuen Spitznamen geben, z.B. Der-der-immer-zweimal-fragt, damit sich die Schweden nicht wundern, warum jeder an mich gerichtete Satz mit "Hä?", oder "Was hast du gesagt?" begegnet wird. Aber wahrscheinlich stecken diese Art von Spitznamen schon unterbewusst in "Tyska" drin. In der Tat, egal ob ich das Gesagte verstanden habe, oder nicht, es wird stets ein weiteres Mal nachgefragt, zur Sicherheit. Verstand man schon beim ersten Versuch nichts, versteht man beim Nachfragen mit Glück und Eifer nur die Hälfte.
Nachdem ich mich beim ersten Hockeytraining in typisch deutscher Manier (alles was wir Deutschen machen ist typisch deutsch) in die Mannschaftsaufstellung für ein Trainingsmatch eingeschlichen habe, musste ich natürlich an wichtige Daten wie Zeit und Ort kommen. Frei nach dem Gesetz der Dreistigkeit befragte ich also den Mannschaftschef, der mir auch prompt alles freiwillig und ausführlich erklärte. Selbst bei meiner Frage "Was hast du gesagt?" erklärte er mir dasselbe ein weiteres Mal. So weit, so gut: Samstag, 14 Uhr, Kirsebergs Sporthalle, Trikot brauche ich keines, los geht's. Nachdem ich bis zum Samstag alle die ich irgendwie kannte zum Spiel eingeladen hatte und mit so wenig Gepäck wie möglich zur Sporthalle gefahren bin, nagten die ersten Zweifel: Die Sporthalle war überfüllt mit Kindern, Jugendlichen, Junggebliebenen, Mittelalten, Älteren und Großeltern; davon hatten zwei Drittel einen Hockeyschläger in der Hand und schossen mutig vor sich hin, auf Torwände, Torhüter, Schussgeschwindigkeitsmessanlagen, Publikum. Als ich mich nun vergewissert habe, dass nicht nur die Sechsjährigen schneller schießen als ich, sondern auch die Großeltern, begann ich mit der Suche nach einer neuen Sportart. Glück gehabt, gerade in diesem Augenblick betrat die dänische Hockeynationalmannschaft die Halle, und gleich dahinter auch bekannte Gesichter meines neuen Teams, die mir auf zweimal Fragen auch erklärten, dass wir in Österlen spielen und dies hier nur der Treffpunkt wäre.
Langsam begriff ich, dass ich wieder einmal nur die Hälfte verstanden hatte und nahm nun die Welt wieder mit anderen Augen wahr. Und siehe da, beim Aufwärmen des anderen Malmöer Hockeyclubs begegneten mir doch viele, viele Gesichter aus dem damaligen Probetraining. In diesem Augenblick verstand ich sofort, warum sie mich nicht haben wollten. Zwar verloren sie das Freundschaftsspiel gegen Dänemark mit 3:8, aber Dänemark ist ja auch im A-Pool der Weltmeisterschaft vertreten. Unser eigenes Testspiel verloren wir leider auch mit 9:12; wenigstens konnte ich meinen Mannschaftskollegen praktisch davon überzeugen, dass ich nicht als Verteidiger spielen möchte. Am fünften Oktober wird es schon etwas härter zur Sache gehen (denn das ist der Startschuss zur neuen Saison), auch wenn bei unserem Freundschaftsspiel schon über dreißig Minuten Strafzeiten ausgesprochen worden sind. Vielleicht habe ich aber auch nur wieder die Hälfte verstanden?
