Dienstag, 4. März 2008

(5) Trüffelwurst für Schweinehund

In Zeiten von unbewegter Reglosigkeit gilt unser Interesse dem Zeitvertreib. Obwohl wir sehr genau wissen, dass zukünftige Aufgaben zu bewältigen sind, bewahren wir uns lieber die kostbare Zeit zum Nichts-Tun. Ein seltsamer Streich der Natur: Obschon wir verstandesgemäß geneigt wären die noch weit entfernte Arbeit langsam und zielgerichtet anzugehen, verweigert unser Wille uns die nötige Kraft. Nur mit der überwältigenden List eines sisyphos'schen Handelnden, gelingt es uns manchmal den Naturwillen zu überbrücken, der im Volksmund auch gern als "Schweinehund" metaphorisiert wird.
Was müssen wir für ein Glück haben, dass durch vergangene sisyphos'sche Handlungen der verschiedenen Anhänger Sisyphos' Dinge entstanden sind, die unseren Naturwillen auf hinterlistigste Weise etwas "vor-fatamorganisieren". Dinge, die zwar zeitvertreibend, aber auch verstandes- und denkfördernd sind, die vom Willen sozusagen nicht mehr als kraftaufwändiges Arbeiten angesehen werden, sondern - ganz im Gegenteil - als faulenzende, handlungsfremde, sinnlose, unbewegte und kräftesparende Reglosigkeit. Sie, die Dinge, haben also genau die Eigenschaften, die unser Wille über alles liebt; im Volksmund wäre das gewissermaßen die "Trüffel-wurst" für den "Schweine-hund".
Beispiele sind hier sehr zahlreich und vielfältig: Am beliebtesten sind wohl [denk-voraussetzende] Computerspiele, Kartenspiele und Rätsel, was aber nur die allgemeinen Dinge sind. Aus irgendeinem spekulativen Grund, erschaffen wir uns noch zusätzlich bestimmte Interessensplantagen, die wir nach belieben bepflanzen können.
Man sieht: durch das setzen falscher Spiegelbilder, verhinderten sisyphos'sche Geniestreiche die Macht der Natur über den Menschen; die Spiegelbilder scheinen sogar durch ihre optischen Täuschungsmanöver die Natur in ein auswegloses Labyrinth gleichwirkender und -aussehender Phänomene, bzw. Erscheinungen gesetzt zu haben.
Wer wundert sich da noch über die Strafe des Sisyphos', der zuerst den Stein ins Rollen gebracht hat - was am Ende auch seine Strafe war (und gleich hinterher kommt sofort die Frage: Strafe?!)?

Am Mittwoch geht es wahrscheinlich für mehrere Tage an die mecklenburgische Seenplatte, um in trister Einsamkeit etwas mehr Denkkraft für das nächste Thema zu gewinnen: Interaktive Transzendenz. Es bleibt ja noch etwas Zeit bis es zur skandinavischen Küste geht!

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