Sonntag, 30. März 2008

(12) Kleinigkeiten

Nun war es endlich so weit, ich konnte den dritten und neunten Punkt meiner Top10-Liste durchstreichen: Ein schwedisches Bankkonto eröffnen (Punkt 9) und einen LIDL (Punkt 3) ausfindig machen. Dabei war das Bankkonto weniger hürdenreich als angenommen, denn obwohl ich noch kein Inhaber einer schwedischer Personennummer bin, ließ sich die hübsche Bänkerin durch mein freundliches Auftreten, meinen EU-Führerschein und das fließende Schwedisch meines Mitbewohners F. überzeugen.
Verzwickt wurde meine Lage, als ich ein allererstes mal das Wort "Lidl" aussprach. Die Augen von Mitbewohner F. wurden immer größer und sicherheitshalber wurde gleich eine Papiertüte besorgt. Zwar versuchte er mich sehr geschickt an allen Geschäften vorbeizuführen, in denen es Unihockeymaterial zu kaufen gab, das hielt mich jedoch nicht davon ab unentwegt nach dem nächsten LIDL zu fragen. Als das Wort "Lidl" ihm wohl zu oft und zu laut im Zentrum Malmös ausgesprochen worden war, zeigte er mir den Weg durch verschiedene Seitenstraßen, in denen man so wenig Personen wie möglich fand, zum Gebäude des Begehrens. Als ich nun kreischend vor Freude dankte und ihn bat mit mir zusammen einzutreten, schien er nun fast endgültig dem Nervenzusammenbruch nahe. Aber mein unentwegtes Betteln hat ihn dann doch überzeugt seine Papiertüte aufzusetzen und in meinen Lieblingsdiscounter einzutreten. Es hat ganz den Anschein, als hätte LIDL den schlechtesten Ruf, den man in Schweden überhaupt haben kann, warum auch immer. Am Ende war ich hochzufrieden, zwar mit 70 Kronen weniger im Portemonnaie, dafür aber mit einer vollgepackten Tasche!
Von meinen zwei Mitbewohnern F. und V. ist F. nun gestern für ein paar Monate nach Barcelona geflogen; hoffentlich hat es nichts damit zu tun, dass ich ihn dazu gezwungen habe mir nicht nur in aller Öffentlichkeit den Weg zum LIDL zu zeigen, sondern ihn auch noch mit hineingbettelt habe.

Ein möglicher UnihockeyClub ist nun auch gefunden, stellt sich nur noch die Frage, ob sie mich wohl nehmen werden. Schweden sind überaus reizend, hilfsbereit und freundlich, aber das hartnäckigste und typischste Vorurteil, bzw. Gerücht über schwedische Frauen hat sich (noch) nicht so recht bestätigt. Einen Unterschied zu Deutschland konnte ich nicht feststellen, was aber vielleicht auch daran liegt, dass hier in Malmö ganze 171 Nationalitäten vertreten sind und jeder Vierte ein Nicht-Schwede sein soll; eine sehr internationale und weltoffene Stadt - sehr schön!
Bevor nun am Sonntag um 22 Uhr der Supermarkt schließt, werde ich mich gleich nocheinmal auf den Weg begeben etwas zum Abendbrot einzukaufen...

Donnerstag, 27. März 2008

(11) Ankunft

Manchmal gibt es Tage an denen man stets eines Besseren belehrt wird:
Nachdem ich gestern 12:30 Uhr die Wohnung in Leipzig verließ, um vom Hauptbahnhof aus den Schönefelder Flughafen in Berlin zu erreichen, hatte ich es immer noch nicht so recht für Wahr befunden, dass man für ein kleines Stündchen Flug fast zehn Stunden benötigt, um überhaupt ersteinmal zum Flugzeug zu gelangen und danach vom Flugzeug aus in das Zielgebiet (hier Malmö) überzuwechseln. 12:30 Uhr verließ ich also die Leipziger Wohnung, 23:00 Uhr betrat ich die Wohnung in Malmö. Doch nicht nur das; nach kräftezehrender Gehirnaktivität befand es auch mein Verstand für unlogisch für ständiges Umsteigen und stetiges Gepäcktragen mehr Geld auszugeben, anstatt ausgeruht und kraftstrotzend im nordischen Sonnenaufgang aus den Bus zu steigen und von Beginn an andere Kulturen optisch wahrzunehmen - und das ohne nicht einhaltbare Gepäckbegrenzung.
Farid, mein neuer schwedischer Freund und Vermieter, schaffte es, mich am Bahnhof zwischen tausenden von Leuten als "Paul aus Deutschland" zu identifizieren und bezahlte mir gleich die Busfahrt zu meiner neuen Wohnung. Nach ein paar Gläschen Tullamore Dew Whiskey, das ein Teil meines Gastgeschenkes gewesen ist, und ausgelassenen Gesprächen, war mir aufeinmal bewusst, dass ich ja alles verstand, was mir so erzählt wurde und dass auch ich mich ab und zu am Gespräch beteiligen konnte - und zwar so, dass es auch die zwei verstanden. Und wenn mir auf die schnelle die richtige Vokabel nicht einfällt, dann nuschelt man sie einfach ganz schnell und unverständlich auf deutsch; das macht überhaupt nichts.
Nun sitz ich hier ganz allein in der der Malmöer Wohnung, da Victor (mein Mitbewohner, gebürtiger Stockholmer) und Farid (gebürtiger Varberger) bis heute abend ausgeflogen sind; ein wahrlich großes Vertrauen stecken die beiden in meine Anwesenheit, fantastisch!

Käse gibt es übrigens nur im Kilopack und bewegt sich preislich zwischen 6€ und 12€. Kaffee ist etwas billiger, was mich ein klein wenig zum Hüpfen anregte: 2€. Coca Cola, Fanta und Sprite kosten 1,50€ (1,5l); Milch fast 90 cent, Hafergrütze 1,20€.
Die schwedische Tastatur beinhaltet kein ü und kein ß, weswegen ich stetig die "Alt-Taste" mit Ziffernblock benutzen muss. Ich habe auch schon zwei Zeichen entdeckt, die bei uns nicht zu finden sind, vielleicht könnte mir einer erklären wofür diese genutzt werden:
1. ¤
2. ¨


Zu lokalisieren bin ich unter folgender Adresse:
Vattenverksvägen 5
Stadtteil Kirseberg
21221 Malmö
(Das runde Haus)

Mittwoch, 26. März 2008

(10) Schopenstein und Wittgenhauer

Könnten sie mir kurz weiterhelfen, Herr Wittgenstein?

Das scheint mir die passende Standardfrage in Sachen Sprachbarriere. Stetig Gesprächskonstruierend und -übersetzend, da wäre doch ein kleiner Wittgenstein auf den Schultern nicht schlecht. Leider waren alle Wittgensteine ausverkauft, weswegen ich mir den lustigen, alten Schopenhauer im Sonderangebot zusicherte. Denn eigentlich, so sagte man es mir, sollte er ganz ähnlich eines Wittgensteins jeden Fehler in annähernd gleicher Weise bestrafen und es mir dadurch ermöglichen durch Angst und Schrecken die Lernerfolgsquote zu vervierzehnfachen. Anstatt mir aber mit Schlägen und Schreianfällen zu helfen, sitzt er nur mürrisch und eingeschnappt in meinem Rucksack und denkt nicht einmal daran sich meiner zu erbarmen. Da bin ich aber auf die ersten Sprachwechsel gespannt, wie er dann, ob meiner vielen Fehler, erschrocken und unglaubwürdig zu mir herüberschielen wird; dann müsste er sich richtig gehen lassen, hoffentlich.
Bis dahin muss ich weiterhin eine meiner neu entdeckten Weltanalysemöglichkeiten nachgehen, das Prinzip der einfachen Personifiziertheit. So werden abstrakte Dinge einfach personifiziert, zum Kaffee eingeladen und sich unterhalten. Neulich war ich in ein prächtiges Gespräch mit Herr Sein, Herr Denken und Herr Emotion verwickelt, aber das wäre eine andere Geschichte. Denn wie ihr vielleicht schon vermutet habt, ist heute der große Tag des Abschieds gekommen, bzw. der große Tag des Willkommens. Um 19:55 Uhr wird das Flugzeug in Berlin abheben und mich sicher nach Kopenhagen nach Dänemark bringen, dort werde ich mich zum Zug nach Malmö begeben und auf meine schwedischen Freunde warten, die ich noch nie gesehen habe. Die Vermutung liegt nahe, dass meine zwei kleinen Geschenke noch am selben Abend aufgebraucht werden (Na, was schenkt man als Einreisender wohl den nordischen Einheimischen?).
Sobald die Kommunkationplattform gegeben sein wird, finden sich wie gewohnt in voller Pracht und Fülle die gewohnten Buchstabenaneinanderreihungsketten mit Bildchen.

Dienstag, 18. März 2008

(9) Nächste Folge

An dieser Stelle werden erst nächste Woche (aus Internetzugangsgründen) die letzten Tastendrücker auf deutschem Territorium zu finden sein.

Samstag, 15. März 2008

(8) Fräulein Naseweis

Erfahrungsbericht:
Kultur ist sehr wichtig, so sagt man; dann aber auch bitte Kultiviertheit!
Man stelle sich einen gestrigen Abend vor, einen gestrigen Abend mit zwei Löffeln Kultursuche und einer Prise Kulturfindung, hinzu kommen hohe finanziell zu erwerbende Pappkärtchen, die uns den Zutritt in einen großen Saal versprechen. Mit anstrengungssenkenden Flüssigkeiten wird das ein ausgesprochen angenehmer Abend... Denkste!
Während einer kurzen Kulturpause gehen wir vor die Tür, um Stadtluft mit dem Rauch verbrennender Blätter auszutauschen. Als Natur- und Kulturliebhaber eine Selbstverständlichkeit. Die Kultur erwacht langsam, weshalb wir wieder die vertraute Nähe unserer eigens angewärmten Sitzplätze suchen. Der kurze Dank an die zwei Spätstudentinnen, ende zwanzig - anfang dreißig, die Sitzplatzwärme nicht erkaltet haben zu lassen, munterte sie wohl auf diese Arbeit noch ausführlicher und gewissenhafter zu erledigen. Zwei, drei kurze Hinweise und die darauffolgend anhaltende Diskussion schienen ihre Konzentration beim nun wieder beginnenden Kulturgenuss zu stören, was auch geradewegs über ihre typisch menschliche Sprachproduktionsmaschinerie verkündet werden und zu unseren üblichen Sprachaufnahmewerkzeug und dessen Verarbeitungsvorgang gelangen sollte. Frau Sozialpädagogin und Frau BWL waren sich unserer pädagogischen Fähigkeiten nicht bewusst, die sich im Laufe des restlichen Kulturprogramms sogar philosophisch untermauern ließen. Der daraus resultierende Schandfleck unserer anstrengungssenkenden Flüssigkeiten auf den Kleidern beider Frauen war zwar mehr ein symbolischer Akt progressiver Erziehungsmaßnahmen, dafür aber Lebensweisheit-weiterreichend - und das für beide Seiten.

Schweden aktuell:

Die ersten Monate Übernachtung sind nun gesichert, nachdem ich bei allen visualisierten Wohnungsanzeigen mein Interesse verkündet habe. Beherbergt werde ich nun bis ende Mai, eventuell bis ende Juni, und komme in den Genuss eines unihockeyspielenden Mitbewohners, der dazu noch Vegetarier ist (Vegetarier können immer sehr gut kochen!). Das größte Sorgenkind ist somit auch genährt und ich kann mich weiterhin auf Kleinigkeiten und Nichtigkeiten konzentrieren!

Mittwoch, 12. März 2008

(7) Bürokratengeflüster

Das Wundervollste aller Bürokratie ist ihre Stimme, das Erniedrigendste der ganze Restabfall! Ellipsierten sich nicht nur Textstellen in die ungegebene Existenz, sondern auch die bürokratischen Hochsicherheitswaffen, konstatierten sich bis dahin ungeahnte Lebensbedingungen geträumter Phantasmen. So sicher bin ich mir dabei aber auch nicht, denn auf eigene Erfahrungsfragmente kann ich nicht zurückgreifen. Den Versuch Erfahrungen mit kreativen Produkten meiner eigenen Confiserie in die Falle zu locken, hat sich bis jetzt als unnötige Zeitverschwendung herausgestellt. Sonst sprechen alle in anhaltender Perfidie über gottzerschmetternde Methodenvielfalt; empirisch ist sie nicht einmal in der Lage die winzigste Bürokratie für den kürzesten Augenblick anzuhalten. Aber nun genug der Schwafeleien über das heillose Nichtdurcheinander bürokratischer Architektur.
Auffallend ist aber (um einen kleine Auszug meiner Forschungen zu präsentieren):
  • Je größer die Anstrengung Bürokratien zu erreichen, desto unwahrscheinlicher ist die Erfolgsquote.
  • Je schneller Benötigungen aufzutreiben sind, desto komplexer der Arbeitsweg der Behörden.
  • Begegnet man der Bürokratie ebenfalls mit ihren komplexen, langandauernden, vielgeprüften Arbeitsmethoden, umso kürzer, strafbarer und teurer werden die einzuhaltenden Fristen.
  • Alle Erstanträge sind unvollständig.
  • Ausführende des bürokratischen Machtwerks sind stets weiblich
Sollten ein paar Auserwählte sich im Handwerk Bürokratieerledigung oder sogar Bürokratiebekämpfung versuchen, denen sei ein sehr teuer bezahlter Rat (im Sinne von Zeit ist Geld) gegeben: Am verwundbarsten sind Bürokratien immer in der Mitte! Also zur Tagesmitte ab 12 Uhr (nein, komischerweise keine Mittagspause), zur Wochen(-arbeits-)mitte am Mittwoch und zur Monatsmitte!
Mir fehlte leider etwas der Mut den Weg der Mitte bis ins kleinste Detail auszuführen, aber ich bin der festesten Überzeugung, dass Mitbringsel, Mitarbeit, Mithilfe, Mitleid oder auch Mitspracherecht sehr starke Waffen im Kampf gegen die Bürokratie sind!

Montag, 10. März 2008

(6) Schock-olade

Ganz aufgeregt wegen der infrastrukturellen Abschottung norddeutscher Tugenddörfer begann ich die verpassten Erlebnisse nach meiner Wiederankunft selbst zu kreieren, da ich immer noch nicht die Möglichkeit hatte die entstandenen Informationslücken mit Schokoladenfallen zu besetzen.
Übrigens eine meiner neuesten Taktiken hinsichtlich benötigter Listigkeit: Schokoladenfallen. So lassen sich unfangbare Dinge, denen meistens gar nicht zugetraut wird den Begriff Schokolade überhaupt zu kennen, mit geringer Kraftanstrengung (Aufstellen der Fallen, Einsammeln der Fallen) in Massen fangen. Natürlich gibt es Dingarten die sich nicht von einfacher Schokolade anlocken lassen, da zählt einzig und allein langjährige Erfahrung, welche Art auf welchen Köder anspringt. Informationen zum Beispiel lassen sich mit einfacher Schokolade in derartigen Massen fangen, dass beim Einsammeln der Fallen noch unzählige Informationen um die Falle verstreut liegen, die mit etwas Arbeitsaufwand und dem nötigen Accessoire säckeweise aufgelesen werden können. Vergleichen lassen sich hier die Informationen mit Fliegen - für diejenigen, denen es etwas zu abstrakt werden sollte. Ein Wunderwerk der Natur möchte man hinausschreien, wenn die Masse der Informationsfliegen gesichtet wird.
S
icherlich lassen sich auch Gedanken mit dieser Methode fangen, nur sollten wir beachten, dass Gedanken zum ersten eine vom Aussterben bedrohte Art ist, die nur sehr, sehr selten vorkommt, zum zweiten eine der intelligenzbehaftetsten Arten sind, die es überhaupt zu geben scheint und drittens dass es viele andere Dingarten gibt, die den Gedanken zum Verwechseln ähnlich sind, aber trotzdem keine Gedanken sind. Bei der Köderwahl wäre außerdem darauf zu achten das Dilemma des unbekannten Unbekannten zu überwinden (Stelle ich einen Köder egal welcher Art auf, weiß der Gedanke schon, dass es nur ein Köder ist). Nun bin ich kein Jurist und kenne mich in der rechtlichen Situation zum Artenschutz zu wenig aus, um über ein eventuelles Fangverbot von Gedanken bescheid zu wissen, weshalb ich Gedanken, sollte ich wirklich einmal der Glückliche sein, sofort wieder freilassen werde.
Als nun schließlich die Vorbereitungen heute früh ihren Höhepukt erreichten und ich faulenzend den Tag damit zubringen konnte zuschnappende Fallen zu bewundern, verging mir der Spaß mit der neu entdeckten Methode die Informationsfliegen aufzulesen und einzupacken. Schlagartig wie von Thors Hammer am kleinen Zeh getroffen, verbiss sich ein tiefer und gemeiner Schmerz, der nun den Verstand zu wecken versuchte. Furchtvoll und respektversessen wagte ich den Lektorenblick über meine Fliegentrophäen gleiten zu lassen. Es hatte sich bestätigt, selbst ein dritter bösartiger Blick sollte die Information nicht zur Neuwandlung überreden können: Der USV TU Dresden verlor mit 20:5 gegen die Wikinger aus Grimma; und mein geliebtes Dynamo Dresden kassierte eine Heimniederlage gegen Oberhausen. Wie furchtbar!
Manchmal regen sich wirklich Zweifel, ob ich an meinen Methoden festhalten sollte.

Dienstag, 4. März 2008

(5) Trüffelwurst für Schweinehund

In Zeiten von unbewegter Reglosigkeit gilt unser Interesse dem Zeitvertreib. Obwohl wir sehr genau wissen, dass zukünftige Aufgaben zu bewältigen sind, bewahren wir uns lieber die kostbare Zeit zum Nichts-Tun. Ein seltsamer Streich der Natur: Obschon wir verstandesgemäß geneigt wären die noch weit entfernte Arbeit langsam und zielgerichtet anzugehen, verweigert unser Wille uns die nötige Kraft. Nur mit der überwältigenden List eines sisyphos'schen Handelnden, gelingt es uns manchmal den Naturwillen zu überbrücken, der im Volksmund auch gern als "Schweinehund" metaphorisiert wird.
Was müssen wir für ein Glück haben, dass durch vergangene sisyphos'sche Handlungen der verschiedenen Anhänger Sisyphos' Dinge entstanden sind, die unseren Naturwillen auf hinterlistigste Weise etwas "vor-fatamorganisieren". Dinge, die zwar zeitvertreibend, aber auch verstandes- und denkfördernd sind, die vom Willen sozusagen nicht mehr als kraftaufwändiges Arbeiten angesehen werden, sondern - ganz im Gegenteil - als faulenzende, handlungsfremde, sinnlose, unbewegte und kräftesparende Reglosigkeit. Sie, die Dinge, haben also genau die Eigenschaften, die unser Wille über alles liebt; im Volksmund wäre das gewissermaßen die "Trüffel-wurst" für den "Schweine-hund".
Beispiele sind hier sehr zahlreich und vielfältig: Am beliebtesten sind wohl [denk-voraussetzende] Computerspiele, Kartenspiele und Rätsel, was aber nur die allgemeinen Dinge sind. Aus irgendeinem spekulativen Grund, erschaffen wir uns noch zusätzlich bestimmte Interessensplantagen, die wir nach belieben bepflanzen können.
Man sieht: durch das setzen falscher Spiegelbilder, verhinderten sisyphos'sche Geniestreiche die Macht der Natur über den Menschen; die Spiegelbilder scheinen sogar durch ihre optischen Täuschungsmanöver die Natur in ein auswegloses Labyrinth gleichwirkender und -aussehender Phänomene, bzw. Erscheinungen gesetzt zu haben.
Wer wundert sich da noch über die Strafe des Sisyphos', der zuerst den Stein ins Rollen gebracht hat - was am Ende auch seine Strafe war (und gleich hinterher kommt sofort die Frage: Strafe?!)?

Am Mittwoch geht es wahrscheinlich für mehrere Tage an die mecklenburgische Seenplatte, um in trister Einsamkeit etwas mehr Denkkraft für das nächste Thema zu gewinnen: Interaktive Transzendenz. Es bleibt ja noch etwas Zeit bis es zur skandinavischen Küste geht!

Sonntag, 2. März 2008

(4) Wetterumschwung

Diabolische Kreativität war gefragt, als Donnerlicht und Blitzgewalt den Tagesverlauf bestimmen wollten. Nach unzähligen Umzugspannen sollte sich kein wegweisendes Licht am Horizont heraufbewegen, selbst die Dresdner Abreise versprach noch Unmögliches an moralfreien Evolutionstaktiken. Zur nächsten Götterdämmerung sollte ich aber wenigstens gut genährt und architektonischen Schutz genießend in einem Vorort Dresdens angekommen sein. Sonderlich nah gelegen zum großen Vorhabeversuch ist das zwar noch nicht, aber wie unsere instinkthaften Zitatversuche antworteten: Jeder fängt mal klein an; der erste Schritt ist immer am schwersten; Raxli faxli pulli paxli.

Zuversichtsrettend wirkte sich die Anwesenheit eines (enttarnten) Engels aus, der meine noch fehlende List zu ersetzen wusste. Scheinbar tritt mir da oben nicht jeder negativ gegenüber, was auch wunderschön der Wetterkampf visualisieren konnte. Hier sei nochmal ein Hinweis zum tiefsten Herzdank gegeben; wenn ich doch nur jeden Tag von Engeln umgeben wäre - aber vielleicht ist es ja so?!
Der Buchempfehlung werde ich schnellstmöglich nachgehen, da ich mich hinsichtlich meiner Strategem-möglichkeiten kilomeilenweit verschätzt habe; so bin ich noch längst nicht bereit dem eigentlichen Arbeitsfeld nachzugehen, denn hierzu erfordert es gedankenloses, und zwar ein bewusst gedankenloses, Tun. In etwa vergleichbar mit einer Langstreckenlaufdisziplin im Sport, wo sich nach einer kürzeren Zeit eben dieses gedankenlose Tun in einer Abstraktionsform wiederfindet.

Dem Anschein nach verkommt meine Handlungsreise zu einer Verhandlungsreise, analog dazu die Handlungsweisen zu Behandlungsweisen. Etwas Gutes bringt es wie immer mit sich, und zwar Emotionsfestigkeit und Stressresistenz. Zweckmäßige Eigenschaften für das große Vorhaben.